Es ist ein Schildbürgerstreich sondergleichen: In diversen Polizeibehörden europäischer Länder wird eine Software für digitale Forensik von Oxygen-Forensics eingesetzt. Die Software ermöglicht wohl die forensische Auswertung von (Mobil-)Geräten etc. Die Geschichte hat allerdings einen klitzekleinen Schönheitsfehler. Offiziell firmiert Oxygen-Forensics als US-amerikanische Firma. Inoffiziell wurde die Software in Russland entwickelt, wie jetzt bekannt wurde.
Ich ziehe das Thema mal kurz in einen separaten Blog-Beitrag. Das Ganze ist mir bereits vor zwei Wochen untergekommen, weil es in den USA eine Anklage gab.
Wer ist Oxygen Forensics?
Bei Oxygen-Forensics handelte es sich um ein Unternehmen, welches laut dem seit 2009 existierenden Twitter-Konto in Alexandria, Virgina, USA, angesiedelt ist.

Das Unternehmen preist sich dort als global führender Anbieter von Software für digitale Forensik, der bei Strafverfolgern und Polizeibehörden zum Einsatz kommt. Die Software wurden von US-Polizeibehörden etc. eingesetzt, ist aber auch in Europa im Einsatz.
Die “dunkle” Seite des Unternehmens
Ein bisschen ins Grübeln könnte man kommen, wenn man nun versucht, die Webseite dieses Unternehmens zu besuchen.

Beim Schreiben des Beitrags habe ich das mal versucht und wurde mit mit obigem Pleite-Vogel begrüßt. Gut, soll wohl der US-Bundesadler sein und die Nachricht besagt, dass diese Webseite beschlagnahmt wurde.
Im Hinterkopf war da ein “da war doch was” vorhanden. Und in der Tat war mir nachfolgender Tweet zum 24. September 2026 kurz untergekommen.

Der Tweet besagt, dass das US-Justizministerium den in den USA ansässige CEO von Oxygen Forensics wegen Verschleierung der Verbindungen des Technologieunternehmens zu Russland festgenommen habe.
- Der US-CEO von Oxygen, Lee Reiber, wurde am Sonntag, den 20. September 2026, in Idaho festgenommen.
- Der in Moskau ansässige CTO, Oleg Davydov, wurde am Flughafen Heathrow beim Versuch, in die Türkei zu fliegen, festgenommen. Er wird an die USA ausgeliefert.
Beiden wird die Verschwörung zum Telekommunikationsbetrug vorgeworfen. Der Hintergrund: Die US-Staatsanwaltschaft, die die Festnahme anordnete, gibt an, Oxygen Forensics habe der US-Regierung mitgeteilt, es gebe keine ausländischen Anteilseigner und die Software sei in den USA entwickelt worden.
Dumm nur, dass das Unternehmen über eine zypriotische Holding im Besitz von fünf russischen Staatsangehörigen ist und von diesen kontrolliert wird. Der Code für die Produkte des Unternehmens wurde in Russland geschrieben, geprüft und verwaltet. Letztendlich wurde wohl eine lokalisierte Kopie einer russischen (für das FSB entwickelten) Software an die Kunden außerhalb Russlands verkauft.
Es heißt, Vertreter der Zivilgesellschaft hätten schon seit Jahren davor gewarnt, dass US-Strafverfolgungsbehörden dieses “russische” Unternehmen für ihre sensiblen Operationen einsetzen.
Nutzung bei US-Behörden und in Russland
In ganz aufschlussreichen Folge-Teets heißt es, dass Oxygen Forensics seine Technologie an das Kriegsministerium (US-Verteidigungsministerium), sowie die an US-Behörden ICE, FBI, DEA, DHS und das Außenministerium verkaufte.
Wer diese Software noch nutzt? Der russische Geheimdienst (FSB). Außerdem Russlands Untersuchungsausschuss und das Innenministerium. In der russischen Opposition war der Hintergrund der Firma und deren Software wohl bestens bekannt.
Das Unternehmen verkaufte seine Produkte dummerweise sowohl an US-Strafverfolgungsbehörden als auch an den russischen Geheimdienst, und ist dann irgendwann aufgeflogen. Da verstehen die US-Justizbehörden keinen Spaß und haben die Handschellen klicken lassen.
Bei Polizeibehörden in Europa im Einsatz
Aber keine Geschichte ohne eine weitere Geschichte: Nicht nur die Amerikaner sind auf diese Legende hereingefallen. Nachfolgender Tweet besagt, dass auch die Polizeibehörden Europas sich dieser Software bedienen.

Europäische Polizeibehörden in Deutschland, Spanien, Italien, Polen, Litauen und Rumänien haben diese Technologie zum Knacken von Smartphones jahrelang gekauft und beschaffen diese wohl auch weiterhin. Sogar die Europäische Kommission war als Kunde aufgeführt. Die spannende Frage: Wird die Software, die von Russland kontrolliert wird, und bei Smartphones Passwörter etc. ausliest, weiter beschafft? Die USA haben jedenfalls juristisch reagiert. Winfuture hat in diesem Artikel einige Quellen ausgewertet und schreibt, dass in Großbritannien Polizeibehörden die Software aus obigen Gründen aussortiert hätten.
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